Der Kranich

Der Kranich

von Falk Zakrzewski

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ERSTER AKT: „Das Belauschen einer Gesprächsrunde am Ende des Sommers“

Der Tag geht von einem späten Nachmittag in den Abend über. Der Sommer schwindet merklich. Seit einigen Wochen steht die Sonne immer tiefer und dadurch wird das Licht heller und die Tage klarer. Der Herbst lauert schon in den Büschen und Hecken. Eine leichte Kühle, noch von der Nacht herrührend, versteckt sich im nahe gelegenen Park mit den riesigen Eichen. Durch allerlei Gewächs verborgen liegt das stillgelegte Freibad etwas abseits. Nur schwer zu erkennen vom äußeren Wegrand her. Von der Straße führt ein unscheinbarer Weg zum besagten Bad hin.

Weitläufig erstreckt sich das Areal. Keine herkömmlich geschäftige Menschenseele weit und breit. Seltsam verlassen und zeitlos. So zeitlos wie der Übergang vom späten Sommer zum Herbst. Wie das flache, blendende Licht. Wie der kühle Wind aus dem Osten. Der schon den Winter in Zügen verrät.

Nach einer Weile zu Fuß sieht man das Becken. Schmucklos. Hellblau. Ohne großartige künstlerische Ansprüche. Verborgen hinter den Bäumen und Büschen. Klein im Vergleich zum unendlich wirkenden umgebenden Gelände. Seltsam verschlafen wirkt die Kulisse. Abgegrenzt und zeitenfern. Verloren und vergessen.

Das Becken ist halb gefüllt mit Wasser. Verteilt in etwa gleichen Abständen stehen, zusammen und dabei ein jeder für sich, eine handvoll Menschen. Einige dieser Menschen sind in ein Gespräch vertieft:

Junger Mensch: Wir wollen frei und gleich und gleichen Rechts daher gehen. Wir wollen uns formen und veredeln. Und in der Welt durch uns dann wirken.

Aufmerksamer Mensch: Nun, das sind wahrlich edle Töne und ebenso höchste Ziele. Ich möchte dennoch nicht „zu schnell zu hoch gedacht“ sagen. Aber denken tu ich`s.

Junger Mensch: Deswegen trat ich bei. Um so zu werden. Um so zu sein. Ein edler Mensch. Der werden will und der in sich wirkt und der durch sich wirkt. Willst du mir den Glauben daran nehmen?

Aufmerksamer Mensch: Wohl war. Das Ziel ist ganz edel. Deinen, diesen Glauben kann ich dir nicht nehmen und will es auch nicht.

Älterer Mensch: Die Gleichheit und die Gerechtigkeit. Das ist hochkomplizierte Akrobatik. Was man der einen Seite gibt, das nimmt man von der anderen.

Anderer Mensch: Der Mensch soll an sich selber formen, so dass er als Mensch unter Menschen gut sein kann. Und so soll eine Gemeinschaft aus den Menschen besser werden.

Junger Mensch: Was ist gut und was ist schlecht?

Aufmerksamer Mensch: Der Definitionen solcher gibt es viele. Und selbst Definiertes wird geformt, gebeugt und aufgebrochen. Zudem ist es die Zeit, der Lauf der Dinge, welche neue Regeln machen. Nicht einfach ist das Spiel.Und nie zu Ende.

Älterer Mensch: Es dreht ein Kreis sich immerfort. Sein Boden ist schwarz und weiß zugleich. Und auf dem Wege, Schritt für Schritt, des Menschen hindurch ist´s Nacht und dann auch wieder Tag. Vermengt ist beides in uns selbst. Schau zurück und sieh dein Schwarz und sieh dein Weiß. Sie nach vorn und du wirst im Leben Schwarz und Weiß erblicken. Deine Wahl und nicht deine Wahl.

Anderer Mensch: Du darfst entscheiden wollen. Was kannst du und was willst du ändern?

ZWEITER AKT: „Der Suchende“

Eine kleine Treppe führt hinab in das Becken des Freibades. Ein wankender Wanderer erscheint, nachdem er durch die dichten Hecken und Büsche, dem bläulichen Licht des Wassers folgend, den Weg gefunden hat. Er sucht etwas. Wirkt unsicher. Ist er hier richtig? Er entschließt sich, trotz seiner Zweifel, vorwärts zu gehen und sich langsam zu nähern. So schreitet der Suchende recht zögerlich in das mit Wasser halb gefüllte Becken. Einige Menschen blicken zu ihm hin.

Suchender: Was soll ich tun? Was kann ich tun?Was werde ich hier finden?Warum bin ich hier?

Erfahrener Mensch: Schau zurück in deine Zeit und in dich. Sieh dich als Geborener, als Kind und als Heranwachsender und dann als Summe dessen. Sei in reger Erwartung, was sein wird und was unvermeidlich ist.

Suchender: Was kann mir meine Vergangenheit verraten?

Erfahrener Mensch: Sie lehrt dich deine Muster. Sie zeigt dir deine Ängste. Sie benennt deine Herkunft. Sie zeigt Wege und Sackgassen. Leid und Freude. Sie kennt Freunde und Feinde. Sie kennt Auswege und Verstecke. Sie kennt dich und weiß, wie du bist und warum du geworden bist, wer und was du bist. Sie kennt somit auch indirekt das, was hinter deinen Mustern verborgen liegt.

Suchender: Wenn ich mich sehe und erkenne wie ich war, kann ich dann wissen, wer ich bin?

Erfahrener Mensch: Das wirst nur du selbst herausfinden können. Die Werkzeuge zur Hilfe auf diesem Weg jedoch können wir dir bieten.

Suchender: Ein Rätsel nach dem anderen. Was soll ich suchen?

Unerfahrener Mensch: So sei dir gesagt, dass du suchst. Du suchst vielleicht schon sehr lange. Nun hast du uns und das, was wir suchen, gefunden. Deine Suche ist nicht zu Ende. Suche weiter. Auch ich suche und finde dies und das. Ich frage, um zu lernen. Ich lese, um zu verstehen. Jeden Tag ein wenig. Und jeden Tag etwas mehr. Und so mehr und mehr.

Suchender: Wie suche ich?

Erfahrener Mensch: Schweige vorerst mehr als voreilig zu sprechen. Unbeteiligt, aber aufmerksam horch in dich. Schau und beobachte einen Meister, wenn du ihn als solchen erkennst. Worüber er spricht, kann dir ein Meisterwort sein. Was er erschafft, kann dir ein Meisterwerk sein. Ein Meisterwort bringt dich zum Nachdenken. Ein Meisterwerk bringt dich zum Staunen. Suche, staune, denke nach und erkenne.

Suchender: Wie kann ich einen Meister erkennen?

Älterer Mensch: An dem was er sagt und an dem was er nicht sagt. An dem was er tut und an dem was er nicht tut.

Ein Meister: Und doch sind wir alle gleich und suchen.

DRITTER AKT: „Die Allegorie“

Mittlerweile dämmert es. Die Nacht eilt still und leise, doch unaufhaltsam, heran. Es ist noch kein Vollmond. Ein leichter Dunst am Himmel tut sich auf. Hochnebelartig. Oder höher. Von den Sternen sind nur die hellsten zu erahnen. Die Kühle verlässt ihr Versteck im Park. Ein Kauz gleitet sacht, fast lautlos, vorüber. Dampf erhebt sich aus dem Becken. Fast ist es so, als ob dieser leuchtet. Aber sicher ist das nicht. Die Menschen und der Suchende sind fort. Eine Spiegelqualle tritt hervor. Ein fast fertiger Frosch sitzt in den letzten Quappenzügen am Rand des Beckens. Kein Mensch ist jetzt mehr anwesend.

Eine Spiegelqualle: Welch schöne Nacht. Nun sagt´s. Wie hältst du´s mit der Zukunft?

Fast fertiger Frosch: Es ist, was du draus machst. Ich werde bald fliegen, indem ich weit springe. Juchhe! Dann bin ich glücklich.

Eine Spiegelqualle: Da will ich gratulieren schon. Recht weit seit´s da gekommen. Wohin soll´s alsbald nun gehen?

Fast fertiger Frosch: Hinein in die Zukunft. Die Zeit ist knapp. Ich sage A und dann gleich B und so halt ich alles stets am Laufen.

Seltsamer Pilz: Ich sag´s euch wohl und auch im Guten. Die Zeit ist räuberisch bei weitem. Sie wird euch nehmen nach und nach. Erst Tag, dann Jahr und dann das Leben.

Eine Spiegelqualle: Nun denn wünsche ich euch viel Erfolg. Auf Wiedersehen.

Fast fertiger Frosch: Bald ist´s soweit. Juchhe und Heisasa! Ich werd heut Nacht. Auf Wiedersehen.

VIERTER AKT: „Der Meister und ein Kranich“

Der Pilz sport ab und der Frosch erhebt sich zum weiten Sprung in sein neues Leben und ist fort. Die Dunkelheit nimmt die Sicht. Die Nacht schreitet weiter voran. Die Nebel werden dichter. Ein Licht vom Becken, diffus leuchtend, erhellt die Kulisse. Der Dampf leuchtet mehr und mehr. Es tritt hervor ein Meister mit Schüler. Und etwas abseits steht ein Kranich.

Der Schüler: Der Sterne sind es viel zu viele. Ich kann´s nicht zählen, noch kann ich´s fassen. Wie unmöglich alles ist und so unendlich. Die Welt. Mir platzt der Kopf. Mir steht die Angst in Gedanken geschrieben. Was soll das alles?

Der Meister: Dein Kopf ist schwer wie deine Gedanken. Lass fließen die Unmöglichkeit. Wie im Großen so im Kleinen. Die Schlange beißt sich in den Schwanz. Aus Schwarz wird Weiß und Weiß ist Schwarz.

Der Schüler: Doch welchen Sinn ist allem inne, wenn so groß und übergroß das All und klein und winziger der Leim, der uns zusammenhält?

Der Meister: Der Sinn entsteht durch dich, durch mich und durch uns zusammen. Als Mensch im Hier und Jetzt. Und wie der Sinn ist und nicht ist, so ist auch Alles und Nichts. Der Mensch und das Leben. Er möge wachsen.

Ein als Kranich verkleidetes schwarzes Loch: Ich wende mich im Kreis und komme dennoch vorwärts. Und krümme mich so schwer ich bin. Doch schwerer als ich geht es immer noch. Aber Zeit und Licht stehen in mir still. Ohne Zeit ist alles eins. Ungeteilt. Fast ursprünglich.

Ein physikalischer String von vielen: Hört ihr mich singen? Wenn ihr mich singen hört, dann wärt ihr vielleicht verrückt! Nichts geht ohne unseren Gesang! Wir sind das Letzte im Kleinen.

Die Szene endet mit einem Tanz von vielen Strings um den Kranich herum. Der Gesang der Strings erinnert dabei an den Anfang der Zeit.

FÜNFTER AKT: „Höre auf die Monde des Jupiters“

Zur späteren Stunde läutet es in der Ferne. Die Nebelschwaden verdünnen sich, bis sie sich letztendlich langsam auflösen. Jetzt schimmert und funkelt das prächtige Himmelsgestirn. All die Gestalten des Himmels treten nun hervor, als Bild. Die große Milchstraße deutet die Unendlichkeit an. Es scheint immer noch kein Mond. Dafür betritt Saturn langsam seine Bahn. Und Jupiter geht gerade unter. Da treffen sie sich:

Saturn: Ich grüße dich, mein Mensch! Sag, wie spät ist es?

Jupiter: Mein Mensch, es sind der Tag und die Nacht gleich lang.

Saturn: Ein Stern. Zwei Sterne. Drei Sterne. Entlang die Straße auf einhunderttausend Jahr. Ein Wimpernschlag ist viel zu lang. Das Treiben auf der Erden. Vielleicht zu schnell für die große Zeit?

Jupiter: Wohl wahr. Selbst wir sind noch zu jung, um zu verstehen der Zeiten Lauf.

Die vier Jupiter-Monde tanzen herbei:

Ganymed: Ich dreh mich schnell und meiner sind noch drei.

Europa: Und dann noch zwei und von der Welt aus sind wir sichtbar dem …

Io: Dem, der uns sehen mag und …

Kallisto: … und dem, der fühlen kann die große, kühle Weite.

Saturn: Ich bin ein Wegweiser und will´s dem Suchenden leuchten. Ein Ring mich umschlossen hält und auch die Welt beisammen. Lernen und reisen soll er. Die Welt zu entdecken und die Menschen und die Zeit.

SECHSTER AKT: „Das Kleine und das Große und die Unendlichkeit“

Es ist Mitternacht. Jupiter ist nun untergegangen. Und Saturn steht hoch am Himmel. Sein Flüstern ist kaum noch zu vernehmen. Jetzt gehen Andromeda und Mond auf.

Andromeda: Noch ein Weilchen und dann werden wir tanzen.

Mond: Ja. Da hast du Recht. Ob ich´s wohl so lange noch mache?

Andromeda: Frag die Sonne. Sie ist wohl sehr gefräßig.Und in Zukunft wird sie groß und größer. Will dich verschlucken zum Frühstück. Wie auch die Menschen.

Mond:Was hast du gesehen auf deinen Reisen?

Andromeda: Nur allzu wenig.

Mond: Was hält uns zusammen?

Andromeda: Die Wege sind wohl vorbestimmt. So auch das Schicksal unser. In ferner Zukunft schmelzen wir zusammen und sind eins. Ich bin schon auf dem Weg zu euch. Eure Milch schmeckt nur allzu gut.

Mond: Erkennst du mich?

Andromeda: Ja, als Teil von mir. So bin auch ich Teil von dir. Die Zeit wird uns wieder vereinen.

Mond: Lass uns tanzen und spielen!

Mond und Andromeda tanzen drei mal im rechten Winkel umeinander. Dann wieder zurück. Und schließlich erneut zum Finale.

SIEBTER AKT: „Das unmögliche Fühlen der Vollkommenheit“

Die Zeit: Ich seh es recht wohl. Für mich ist es immer noch eine Ebene mehr.

Die darauffolgende, fünfte Dimension: Für mich wiederum ist es nun auch an der Zeit. Ich muss zur Arbeit und mich geben. Je kleiner, desto mehr! Meine Menschen. Wir sind zusammen elf.

ACHTER AKT: „Die Initiation des Suchenden“

Es läutet zur dritten Stund`. Drei mal drei ist neun. Alle Menschen kehren nun zurück. Der Mond scheint hell. Erleuchteter Dampf zieht durch die Nacht. Eine anmutende Stimmung.

Suchender: Wohin werden wir gehen?

Aufmerksamer Mensch: Dahin, wo wir schon immer hingehen.

Suchender: Sind wir nicht schon längst da?

Älterer Mensch: Ja. Unsere Zeit ist gekommen.

Suchender: Warum gehen wir dann noch?

Ein Meister: Weil alles sich im Kreise dreht.

EPILOG

Alle ab. Alle sind nun weg. Was bleibt?

Es bleibt der erleuchtete Dampf im Mondenlicht. Dieser zieht langsam in die Ferne und ruft dabei:

Der im Mondlicht leuchtende Dampf: Der Morgen kommt! Der Morgen kommt!

Das letzte Aufbäumen der Alten Männer

Hoch stehen sie,

Noch auf ihren Hochtänden.

Ihre Jagdhüte als maskenhafte Trophäen

Und in den Händen ihre rechtfertigende Waffe.

Schießen sie unsicherer werdend

Auf die zukunftstrunkenen Scharen,

Die über das ausgebrannte Feld weit vor ihnen,

Euphorisch und blind in die Ferne stürmen.

Noch hält ihre zittrig Hand,

Noch krümmt sich der verwelkende Finger.

Die Zeit und der Tod, das tänzelnde Paar,

Es wird sie alle verschlucken.

Gedanken am Montag (am Universitätsklinikum)

Wenn man sich positioniert, also eine Stellung bezieht, dann macht man sich angreifbar durch die Stellung, die man bezogen hat. Man ist also quasi im Raum verortet und kann dadurch ins Ziel genommen werden. Verortet wäre man nicht, wenn man keine Stellung bezogen hätte.

Da aber die meisten auf Karriere hoffen, also die Bestätigung ihrer selbst von außen durch einen animalischen Vergleich mit anderen, beziehen sie selten bis nie Stellung, sondern lassen alles offen. Eine Ausnahme dabei ist, Stellung zu beziehen, wenn diese vorher „von oben“ (meint in hierarchischen Systemen von höherer Ebene)  als solche durchgegeben wird.

Letztendlich führt das dazu, dass sich alles im Kreis dreht oder sogar still steht und nichts passiert. Wie auch? Denn Weiterentwicklung auf vielen Gebieten passiert durch Wagen, Irren, Scheitern. All das bedarf einer Stellung, die man beziehen muss. Heute haben nur noch wenige Mut, diese Stellung zu beziehen. Nicht selten muss man auf wackligen Füßen stehen. Man muss Laufen lernen.

Ein besonders ausgeprägter Fall dabei ist, dass, wenn man Stellung bezieht, die nicht konform, also unbequem ist, man neben der Karriere auch seinen Job los ist. Das System hält sich so sauber. Hat das einen Sinn oder was ist der Sinn davon?

N-dimensionaler (T)raum eines Physikers

Physiker: Mir ist´s als ob ein Alles ein Ganzes ist. Mir schwirrt´s umher und weiß ich nicht wo oben noch wo unten.

Urlicht: So keine Angst. Sei wie es ist. So nah am Anfang.

Physiker: Was heißt das? So nah am Anfang. Was soll ich denken?

Urlicht: Fühlen sollst du das Eine als Ganzes. Das Denken spaltet und entzweit, um zu Verstehen.

Physiker: Ich kann nicht aufhören zu teilen. Es ist meine Natur. Ich muss verstehen. Allein, das Fühlen reicht nicht aus.

Urkraft: So fühle mich und lern verstehen.

Urlicht: Die Kraft, die alle vier der Kräfte vereinen kann.

Urzeit: Ganz früh in der Zeit. So wie ich.

Graviton: Zwei der Kräfte kannst nicht fühlen nur als Teiler. Die andere ist Licht. Und die vierte ist gar seltsam. Doch mich als Ursache der Vierten hast weder gesehen noch gemessen.

Physiker: Ich werde dich erhaschen, du seltenes Sein! Und ob: ich weiß, die Formeln geben´s her.

Urlicht: Eine Frage der Zeit, so sicher wie egal.

Urzeit, Urkraft und Urlicht zusammen: Der Menschen zweiter Antrieb ist die Angst, als eine der vier Kräfte. Sie hält ihn ab vom Tode jedoch nur eine kleine Zeit. Drei der anderen Kräfte sind des Menschen Teile. Alle vier machen ihn. Alle vier waren einst Eins in ihm. Alle vier werden Eins sein in ihm nach dem Tod.

Physiker: Lass mich raus. Erwachen aus der Wirrtheit. Bring Erlösung mir! Verflucht sei der Traum. Ich kann nicht mehr.

Beiläufiger Dialog von Mond und Andromeda

Mond: Die Menschen, das sind schon seltsame Wesen. So kurz erst da und schon so geschäftig.

Andromeda: Nun ja, so kurz sie erst sind, so kurz werden sie sein.

Mond: Auch ich bin nur eine kurze Zeugin. Und Dein Alter ist unermesslich.

Andromeda: Selbst ich kenne nicht den Anfang, doch weiß um das Vergehe und Entstehen.

Mond: Was bleibt?

Andromeda: Was bleibt im Menschen ist das Licht. Aus ihm mit Lichtgeschwindigkeit geboren. Zu fühlen aber nur als Wärme. Doch weit kommt es noch nicht, das Licht als Wärme.

Tibet

Vor kurzem sprach der Eine und sagte, dass viele Menschen doch nur ihre Nase gebräuchten, um die Welt durch diese zu fühlen, ohne zu verstehen. Und dann sagte der Eine weiter, dass es wenige Menschen gebe, die ihren Bereich hinter der Stirn gebräuchten, um die Welt darüber hinaus zu verstehen. Und auf der Festung der Zukunft, da stehen, tanzen, singen Menschen, die Pandaköpfe und Straußenköpfe haben. Und sie blicken sich fragend um. Der Eine spricht weiter, dass er wüsste, was diese mit dem hinter Stirn verbindet: Es sei das, was unter Tibet verbogen ist. Ein tiefes, tiefes Loch. Und dann hebe ich ab um zu fliegen. Und weiß doch, dass ich es nicht bin. Aber ich weiß, dass das Loch unter Tibet unten, weit unten, weit hinaus ins Universum reicht.

Zeit

Zeit

Der Egel frisst sich durch die Haut. In meinen linken Arm. Ganz am Anfang. Richtung Hand. Er ist nicht groß. Vielleicht ein paar Millimeter. Sein Körper ist braun bis schwarz. Feucht die Haut. In wenigen Sekunden verschwindet er schmerzlos. Er ist in mir. Ich denke:

„Die Zeit

Das ist eine kugelfirmige Domension

Haha – Das haben wir beschworen

Ich schmecke sie weil

Ich einst Dreiecke gegessen habe

Ich, Du, Wir

Wir bauen ein Boot

Du tauchst es in Wasser

Ich fange an zu rudern

Hörst Du mich?

Ich kann Zeit schmecken

Ich lebe nur Sekunden hinter Dir

Und sehen kannst Du mich

Nicht und hören nicht doch

Fühle meine Berührung

Ich sehe Dich

Du siehst mich nicht

Die Zeit ist rund

Sekunden“

Trialog von Treppen …

Erste Treppe: Mir wär´s als ob die Zeit sich dreht.

Zweite Treppe: Nun denn, dann lass uns tanzen. Auf und ab!

Erste Treppe: Wohin soll ich tanzen. Ich weiß nicht wann?

Zweite Treppe: Lass los und du wirst kreisen. Am Ende ist der Anfang.

Letzte Treppe: Gewiss doch. Ich wäre Du. Eher oder später. Wie ich es glaube. 

Der Garten

Menschenvervollt und überdicht
Quillt der Schrebergarten
Aus trivialer Wirklichkeit
Ins absurd Zufällige über

Und ich hocke lustig
Auf der Matratze unterm Sonnenschirm
Ach nein, was sollen die
Großen Sonnenblumen

Aufkommender Wind wedelt Blätter
Sind voller Läuse
Schwarz und grün und manche
Haben Flügel aber fliegen nicht

Befreiend spritze ich die Läuse
Weg mit einem Wasserstrahl
Doch stark der Ekel

Der Himmel ist schwarze Wolken
Drehen sich wie Strudel
Sehnsucht nach dem Sturm

Im Eigenheim wartet der Tod

Im Eigenheim wartet der Tod

Wenn ich sagte, dass es gut riecht,
Dann wäre das eine Lüge.
Ehrlich gesagt:
Ich rieche nichts.

Und doch fühle ich
Mich hingezogen in
Diese unwirkliche Welt,
Zeit ohne Lauf.

Und unten, ganz unten
Im Erdgeschoss, lass uns
Die Fenster verbarrikadieren
Und Deinen Mann, den
Schicken wir in den Krieg!

Oben können wir im milchigen
Sonnenlicht
Werde ich Dir Dein Haar
Zur Seite schieben
Und zärtlich Deinen Hals
Küssen.

Der Gang (Singular), die Gänge (Plural)

Mitternacht ist dahin.
Dann eben die Angst. Wieder und
Wieder Scheiss drauf! Was für ein Gefühl,
Wenn es dämmert.
Kein Schlaf.

Erschöpfter präfrontaler Cortex.
Ausgemergelte Routinen die
Schon lang programmiert sind.
Zwang hemmt Angst und bringt
Zwang. Das Gebäude scheint riesig.

Gänge im Nieselregen, grauen Schleier der Dämmerung
Machen einsam und erst die Erschöpfung befreit.
Loslassen. Und dann
Schweben durch die Gänge.
Da ist niemand.

Und beim Schweben darf ich
Die Kühlschränke sehen in die
Schaue ich hinein und sehe
Etwas was wie Licht und Fisch
Als Ganzes doch nicht meins scheint.

Sag mir:
Wo kommen die ganzen Leute her und
Wieso strömen sie alle in dieselbe Richtung?

Und dann treffen sich zwei Gänge und
Im Hellen des strebsamen Morgens
Mengen die Mengen sich ineinander
Jeder in seine Richtung richtig und
Ohne Kompromisse.
Lass den Stärkeren, denn
Die Evolution ist Legitimation!

Innehalten und
Seine Hände öffnen und
Seine Hände betrachten und
Die Konsequenz des Gehens spüren.

Jetzt weiß ich, es war
Der Papageifisch und er hatte
Wunden die von kleinen Krebsen
Umwandert wurden und das heilte
Ihn und beruhigte mich.
Er blickte sinnlos und atmete.

01

Ich habe einen Luftzugschutz für die Haustür gekauft (oder erworben). Jetzt fühle ich mich sicherer.

Wenn ich ohne Beine als Hülle vor dem Hobel liege, bin ich dann noch frei zu gehen?

Im Geiste kann ich mich auf mehrere Identitäten aufteilen. Ich sag`s Euch. Das wird noch relevant! Wer ist man dann? Wo ist man dann? Wer bin ich?

Haha. Reingefallen!


Schwarze Männer …

Du wolltest an einem heißen, sehr heißen Sommertag davon fahren. Mit dem Auto. Die Gegend kennst Du nicht. Dann hältst Du doch inne. Elektrische Fensterheber. Schaust raus. Warme bullige Luft. Wand. Wie ein anderes Element. Gerade noch zu atmen. Draußen sind Mütter. Schieben Metallgestelle. Mit Babys. Die sind festgeklammert an dem Gestell. Polierte Sackkarre. Mit Gurt festgezurrte Monster. Hässliche Babys. Schreien. Starren ins Leere. Mütter schieben Metallgestelle.
Und dann blinkst Du. Vielleicht willst Du einfach abhauen. Trostlosigkeit. Einsamkeit. Verloren in der Hitze des Nichts. Gefesselt an der Wand des Wahnsinns. Aber. Er fällt ab. Der Blinker. Du kennst doch den Blinker. Dieser Hebel. Er wird zum Ende hin dicker. Und das dicke Ende. Abgefallen. In Deine Hand. Du hältst es. Umschließt es. Öffnest die Hand. Und siehst. Es ist ein Film. Ein Film für eine Kamera. Fotos. Vielleicht?
Steigst aus dem Auto. Dem tannengründen Honda. Sternzeichen ist Tanne. Verschlossen. Im tiefsten Winter. Die Kälte hält Eindringlinge ab. Sie sollen erfrieren. Kalt. Keiner. Niemand.
Und dann willst Du den Film belichten. Du öffnest den Film. Ziehst das schwarze Fotopapier heraus. In die blanke Sonne. Soll es verbrennen. All das. Vergangenheit. Bilder.
Wer ist das? Von hinten an dich zügig heran tretend reißt Dir ein Mann mit schwarzem Hut geschickt den Film aus der Hand. Hält inne und bleibt stehen. Zieht den Film vollends heraus. Hält ihn zur Sonne. Ich sehe Bilder, Menschen …
Im Hintergrund fangen schwarze Männer an, sich tot zu schießen. Mit Maschinengewehren. Manche tragen auch nur einfache Pistolen.